wegwärts -Ostseeküstenradweg  (Teil 2)

Von Warnemünde nach Usedom

Nachdem wir im letzten Frühling den Ostseeradweg von Flensburg nach Warnemünde gefahren sind, freuen wir uns in diesem Jahr auf die Fortsetzung.

Wir starten eine Woche früher als im letzten Jahr, wieder mit unseren E-Bikes, und transportieren unser Gepäck selbst. Wir haben unsere Zugfahrten reserviert – das ist notwendig, da nicht alle ICEs über Fahrradabteile verfügen und wenn, dann nur über eine geringe Anzahl von Plätzen. Auch die Übernachtungen haben wir einige Zeit vorher gebucht. Für die diesjährige Tour hat Gunter sich die Komoot-App geladen, deren Funktion wir ausprobieren wollen.

Daten

Wir starten in Kassel am 30.4. mit dem ICE Darß  frühmorgens um 6.30 Uhr, der bis Stralsund durchfährt, und erreichen Rostock nach nur 5 Stunden Fahrzeit.

Geplant haben wir 6 Fahr-Etappen, die in diesem Jahr etwas kürzer sind als im letzten Jahr.

Tag 1 – von Warnemünde nach Wustrow

Da wir an die Tour vom letzten Jahr anschließen wollen, nehmen wir von Rostock aus die S-Bahn nach Warnemünde und dort die Fähre nach Hohe Düne - ein teures Vergnügen – für eine Überfahrt von 5 Minuten bezahlen wir mit Rädern 6,20 €.

Nach den ersten Kilometern können wir im idyllischen Markgrafen Heide am Bodden das erste Fischbrötchen der diesjährigen Tour genießen …. !  Die ersten Kilometer geht es auf breiten Waldwegen durch dichten Mischwald und die Rostocker Heide. In Graal-Müritz erreichen wir endlich die Ostsee, können mit Blick aufs Wasser den Strandweg entlangfahren und erreichen nach einem kurzen Stopp in Dierhagen und 38 km Fahrstrecke unser heutiges Etappenziel Wustrow.

Und da ist es wieder  -  das karibische Blau in allen denkbaren Schattierungen und der Blick auf den filmreifen Sonnenuntergang von der Terrasse des Restaurants Moby Dick.

 

Tag 2 – von Wustrow nach Barth

Nach einer sehr angenehmen Nacht und einem üppigen Frühstück fahren wir über den kleinen Boddenhafen Althagen und einem Abstecher in die Künstlerkolonie Ahrenshoop entlang des Saaler Bodden durch die Ortschaften Born und Wieck nach Prerow.  Die Ortschaften sind idyllisch und unbedingt einen Besuch wert. In Prerow wollen wir einen Blick auf den bekannten Nordstrand werfen und den Leuchtturm besuchen, doch der Abstecher erweist sich als zu weit und wir kehren um, um uns vor der Weiterfahrt mit Cappuccino zu stärken.

Die Tour geht weiter über den Radweg auf einem ehemaligen Bahndamm ins lebhafte Zingst – einer unserer Lieblingsorte der diesjährigen Strecke.

Nach einer ausgiebigen Pause, biegen wir nach Süden ab und verlassen die Halbinsel in Richtung Barth über die Meininger Brücke. Nach den letzten Kilometern durch Felder und Wiesen erreichen wir Barth – einen ehemals wichtigen Hafen mit unzähligen Reedereien. Heute hat Barth nur noch einen großen Yachthafen und ist dabei, seine weitläufigen Hafenanlagen touristisch umzugestalten. Vor der Stadt soll im Meer das sagenhafte Vineta versunken sein – das pommersche Atlantis. Und so klingt der Tag nach 64 km und 3,5 Std. Fahrzeit im Restaurant Vinetablick bei Matjes und Fischsuppe aus.

Tag 3 - von Barth nach Stralsund

Nach einer ruhigen Nacht in einem Pensionszimmer mit Blick aufs Meer starten wir am Morgen über die Barther Berge nach Stralsund. Durch große Rapsfelder in voller Blüte geht es heute über zahllose Hügel, durch ein großes Vogelschutzgebiet mit Reihern, Schwänen und Möwen kilometerlang am Stadtstrand entlang bis zum weitläufigen Stralsunder Hafen, den wir nach 49 km und einer Fahrzeit von knapp 3 Stunden erreichen. Von den Piers in der Nähe des Ozeanums starten die Fähren nach Hiddensee und Rügen, über eine Brücke kann man Rügen trockenen Fußes mit Auto oder Fahrrad erreichen.

Die Vergangenheit Stralsunds als bedeutende Hansestadt ist heute überall noch sichtbar – sei es an den großen Speichergebäuden am Hafen, die heute Hotels, Kulturzentren oder Restaurants beherbergen oder an den Bürgerhäusern, die von vergangenem Reichtum zeugen. Auf großen Plätzen kann man im Schatten von gotischen Backsteinkirchen einen Aperitif trinken oder in Parks an kleinen Seen den Sommertag genießen.

Unser Hotel scheint Teil der großbürgerlichen Vergangenheit der Stadt zu sein, kann uns allerdings nur sehr begrenzt mit seinem Pseudoprunk begeistern…..

Tag 4 - Rügen

Heute ersparen wir uns die Fahrt quer über Rügen und nehmen den Zug nach Binz, um von dort aus nach Sassnitz und zu den berühmten Kreidefelsen zu radeln. Nach 50 Minuten erreichen wir Binz und können zu unserer Begeisterung schon um 10.00 Uhr morgens unser Hotelzimmer beziehen und unser Gepäck deponieren.

Bei schönstem Sommerwetter starten wir Richtung Sassnitz. Kilometerlang fahren wir entlang der Anlage Prora – einem gigantischer Nazi-Komplex entlang des Strandes, gebaut vor 1939 als Sommerdomizil für mehr als 10 000 Menschen, der niemals fertiggestellt wurde.  Heute ist ein großer Teil des Komplexes ausgebaut und wird für luxuriöse Hotels, Apartmentanlagen, Seniorenresidenzen und eine gigantische Jugendherberge genutzt.  Teile des ursprünglichen Komplexes werden als Mahnmal erhalten, mehrere Blocks wurden im Krieg zerstört und sind noch als Ruinen sichtbar.

Vom Sassnitzer Hafen aus starten zahllose Dampfer in Richtung der berühmten Kreidefelsen, die wir vom Land aus besuchen wollen. Die Ostsee erinnert heute einmal mehr an die Südsee … mit fifty shades of blue!

In  Sassnitz-Wedding beginnen die Wander- und Radwege zum Zentrum des Weltnaturerbes. Vom Zentrum mit Infopoint, Ausstellung und Café kann man zu Fuß mehrere Aussichtspunkte erreichen. Wir sind überrascht, wie schön die Felsen sind und wie sehr uns ihr Anblick begeistert.  Uns fehlt leider die Zeit, den gesamten Küstenweg abzulaufen und eine Passantin empfiehlt uns dringend, die Küste per Schiff in Augenschein zu nehmen und unbedingt einen mehrtägigen Ausflug nach Hiddensee einzuplanen …. also müssen wir wiederkommen.

Heute sind wir von Binz aus 54 Km gefahren und mehrere Kilometer entlang der Küste gelaufen – und wünschten uns, wir hätten mehr Zeit, um die Umgebung kennenzulernen.

Dieser erlebnisreiche Tag klingt in einem Restaurant aus, das uns unsere Tochter empfohlen hat – die Strandhalle in Binz - es bleibt das kulinarische Highlight der gesamten Reise.

Tag 5 - von Stralsund nach Wolgast

Heute geht es zunächst mit dem Zug zurück nach Stralsund und von dort über Greifswald nach Wolgast – Brückenpfeiler der Brücke zur Insel Usedom.

Vom Stralsunder Hafen fahren wir kilometerweit durch eine Kleingartenanlage in erster Reihe am Bodden, die sich mit zahllosen Plakaten gegen eine offensichtlich geplante Gentrifizierung oder Bebauung wehrt. Über endlose, holprige Pflasterstraßen durch alte Alleen geht es lange kerzengerade Richtung Osten (Achtung - die Beschilderung ist teilweise irreführend!).

Greifswald - die Geburtsstadt Caspar David Friedrichs – hat sich zum 250 Jahrestag seiner Geburt ganz besonders herausgeputzt und wartet mit Ausstellungen und Events auf, die wir nur am Rande wahrnehmen können.  Wir folgen einem Bildweg durch die Stadt und besuchen eine sehenswerte Open Air Ausstellung vor dem Pommerschen Landesmuseum.

Wir fahren weiter nach Wolgast und verlassen den Ostseeradweg, um etwa 30 km Wegstrecke zu sparen – die letzten 5 km der Strecke führen deshalb über eine viel befahrene Bundesstraße … ein weniger schönes Radelerlebnis.

Wir übernachten in Wolgast in einem restaurierten Speicher – der Ort ist leider wenig interessant. Radlern des Küstenwegs sei empfohlen, eine alternative Streckenplanung ins Auge zu fassen – ein längerer Aufenthalt und eine Übernachtung in Greifswald wäre sicher schöner gewesen (sorry an alle Einwohner Wolgasts …!).

Tag 6 - von Wolgast nach Usedom

Wir starten in unsere letzte Etappe nach Heringsdorf auf der Insel Usedom über die Peene in Richtung Peenemünde über Feldwege vorbei an vielen Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg – Abschussrampen, die Reste einer Waffenschmiede und Bunkeranlagen. Nach Karlshagen fahren wir durch Buchenwälder Richtung Zinnowitz – wieder vorbei an der Gedenkstätte einer Waffenfertigungsanlage mit KZ, in der fast 400 Häftlinge bei Zwangsarbeit gestorben sind. Wir halten für einige Minuten und versuchen uns das Grauen des Dritten Reiches mitten in dieser idyllischen Landschaft vorzustellen …. fast nicht möglich.

Kurz nach Zinnowitz beginnt es zu regnen – das erste Mal, seit wir unterwegs sind – und wir weihen unsere neuen Regencapes ein – eine gute Idee. Als noch besser erweist sich allerdings der Entschluss, den Regen bei Kaffee und Kuchen auszusitzen.

Vorbei an Bansin erreichen wir nach heutigen 56 km Heringsdorf und sind AM ZIEL!

 

Tag 7 – die Rückfahrt

Am Morgen nehmen wir den Regionalexpress zurück nach Rostock, übernachten dort und fahren am darauffolgenden Tag über Berlin nach Hause. Die Rückfahrt hätten wir locker in einem Rutsch machen können – Rostock kennen wir mittlerweile gut genug….

Uns war die Rückfahrt mit insgesamt dreimaligem Umsteigen zu aufwendig und lang – im Nachhinein wäre das die bessere Lösung gewesen.

 

 

Fazit

An 6 Tagen sind wir 331 Kilometer gefahren.

Die Tour ist jede Anstrengung wert – sie hat uns fast noch besser gefallen als der erste Teil der Tour im letzten Jahr. Einige Teilstücke erfordern etwas Geduld und/oder Anstrengung, die ein oder andere Unterkunft entsprach nicht ganz unseren Erwartungen, aber – wie im letzten Jahr – hat der Wettergott mitgespielt und uns wunderbare Frühlingstage beschert, sind wir auf Strecken und Orte gestoßen, die uns begeistert haben und können auf schöne Erlebnisse und Begegnungen zurückschauen.

Die Planung war realistisch, die Strecken eher moderat, die neue App war ein hilfreiches Gadget, dessen Download sich auch für andere Touren oder auch Wanderungen lohnt.