Strandtage …. auf Sardinien
Wir lieben Italien und wir lieben Inseln – also was liegt näher als eine der vielen italienischen Inseln zu bereisen. Ausgesucht haben wir uns Sardinien – nach Sizilien die zweitgrößte Insel Italiens - erreichbar mit Auto oder Camper, aber auch mit dem Flugzeug.
Sardinien bildet mit den kleinen vorgelagerten Inseln die Autonome Region Sardinien, hat eine Fläche von 24.090 km2 und zählt etwa 1,6 Millionen Einwohner.
Die Nord-Süd-Ausdehnung Sardiniens beträgt ca. 270 km, die Ost-West-Ausdehnung ca. 145 km. Sardinien hat eine Fläche von 23.833 km² und ist damit nach Sizilien die zweitgrößte Insel Italiens und des Mittelmeers. Interessant für Badegäste und Wassersportler ist die Tatsache, dass Sardinien eine Küstenlänge von 1850 km hat. Bekannt und touristisch interessant sind vor allem die Küstenabschnitte der Costa Smeralda, Costa Rei , Costa Verde, Costa Paradiso und Costa del Sud.
Unser ursprünglicher Plan, Sardinien mit unserem Camper zu erkunden, ließ sich leider nicht realisieren, da uns ein Hochzeitstermin in die Planung rutschte – also reisen wir dieses Mal mit Flugzeug und Mietwagen und logieren in Hotels oder Pensionen. Wir sehen diese Reise als Vorbereitung für einen weiteren Trip mit dem Camper und wollen die Möglichkeiten auskundschaften. Da der Frühling in Deutschland in diesem Jahr eher kühl ausgefallen ist, reisen wir Anfang Juni in der Hoffnung auf Sonne und Wärme, aber noch vor den Touristenströmen aus Italien und Nordeuropa.


Tag 1 – die Anreise
Unser Plan den Frankfurter Flugplatz von Nordhessen aus per Zug zu erreichen, scheitert an einem Notfall am Bahnsteig und einem komplett gesperrten Bahnhof. Plan B ist die Anreise mit dem Auto, mit dem wir knapp noch unseren Flieger erreichen, nachdem wir Bekanntschaft mit dem Service des Valet-Parking gemacht haben (nicht zu teuer und sehr bequem – das Auto wird am Flughafen abgeholt, sicher verwahrt und bei Rückkehr wieder zum Terminal gebracht).
Wir kommen mit etwas Verspätung am Abend in Olbia an – nach einer Flugzeit von nur 1 Std 40‘, holen unseren Mietwagen ab (einen Opel Corsa, von D aus gemietet bei …..) und machen uns auf den Weg nach Arzachena – einer Kreisstadt im Landesinneren etwa 35 km von Olbia entfernt. Unsere Wahl ist auf Arzachena gefallen, um zum einen nicht in den touristischen Hotspots der Costa Esmeralda zu bleiben, zum andern, um die geplanten Highlights gut erreichen zu können.
Das vorab gebucht Hotel erweist sich als komfortabel, der wohltuend wenig touristische Ort bietet zwar keine kulinarischen Highlights, aber mehrere Möglichkeiten leckere Pizzen zu soliden Preisen zu essen. Und da das Wetter um einiges wärmer ist als erwartet, schmeckt auch das italienische Bier ganz besonders gut.


Tag 2 – Ausflug zur Isla Maddalena
Das Hotel bietet nur ein Basis-Frühstück im Zimmer an, verweist aber auf eine nahgelegene Pasticcheria, die Vorstellungen von einem italienischen Frühstück mehr als gerecht wird-
Unsere erste Erkundungstour führt uns dann Richtung Palau zum Capo d’Orso, einer auffälligen Landspitze etwa drei Kilometer östlich der Hafenstadt Palau. Das Kap verdankt seinen Namen einem markanten Felsen nahe dem Gipfel, die an einen Bären erinnert und wegen der Größe und Lage hoch über dem Meer weithin sichtbar ist. Vom Gipfel der auch „Felsenbär“ genannten Klippe kann man auf den La-Maddalena-Archipel und bis zur französischen Nachbarinsel Korsika hinüber blicken.
(Eintritt 3,- €, 15 ‚Fußmarsch bergauf)
Wir fahren weiter nach Palau und können nach nur wenigen Minuten Wartezeit eine Fähre zur Insel Maddalena nehmen, die gegenüber von Palau liegend in nur 15‘ erreichbar ist.
(2 Personen + Auto, ca. 40,--€ hin und zurück)
In wenigen Minuten erreichen wir quer über die Insel einer der schönsten Strände der Region, die Baia Trinita. Schon jetzt, Anfang Mai ist der Strand belebt und die Parkmöglichkeiten entlang der Straße sind begrenzt. Ich frage mich, wie das hier in den Sommermonaten aussehen mag ….
Zwischen Felsen entdecken wir kleine weiße Strände, das Meer hat über dem weißen Sand alle Schattierungen von Türkis und Blau … Farben, die uns jeden Tag und an jedem weiteren Strand immer wieder begeistern. Zwischen den Felsen kann man ins Meer waten, vorzugsweise mit Badeschuhen, das Wasser ist schon angenehm warm und glasklar.
Dass wir schon am ersten Tag einen besonderen Ort gefunden haben, merkt man an der Anzahl der Yachten, die in der Bucht ankern, manchmal monströs groß und protzig.
Ausgestattet mit Rutschen, Tauchflößen und Jet-Skies trüben sie gelegentlich die Magie der Strände …..
Einen Snack nehmen wir an der Baia Spalmatore, in dessen Strandbar auch die Gäste der Yachten eingekehrt scheinen, was unschwer an den Preisen erkennbar ist.
Zum Abschluss unternehmen wir noch eine Rundfahrt über die Insel und gelangen über eine Brücke zur benachbarten, weitgehend unbewohnten Insel Caprera, auf der Giuseppe Garibaldi von 1854 bis zu seinem Tod 1882 lebte.
Zurück auf dem Festland und nach einer Siesta – die Sonne fordert ihren Tribut – erkunden wir die eher unspektakulären Strände der Baia Sardinia und nehmen einen Sundowner in einer Bar mit Blick auf Cannigione.




Tag 3 – Capo Testa
Nur etwa 30 km nordwestlich von Arzachena liegt die quirlige Hafenstadt Santa Teresa Gallura, von der Fähren und Boote nach Korsika ablegen. Auch hier hält sich der Tourismus in Grenzen und die Stadt ist in jedem Fall einen Besuch wert. Auf der Landzunge am Rande der Altstadt kann man von einer großzügigen Promenade, auf der ein in den Boden eingelassener Kompass die Himmelsrichtungen und die Winde anzeigt, unschwer die nur 14 km entfernt liegende Südküste von Korsika erkennen.
Von Santa Teresa aus lohnt sich in jedem Fall ein Besuch von Capo Testa. Über eine enge Landbrücke mit langen, gut besuchten Sandstränden geht es einige Kilometer bergauf, bis man den Leuchtturm sehen kann. Parkplätze entlang der Straße sind schon in der Vorsaison Mangelware, also muss man in Kauf nehmen, die Turn- oder Wanderschuhe anzuziehen und sich zu Fuß auf den Weg zu machen.
Belohnt wird man für den Weg mit bizarren Felsformationen und vielen spektakulären Ausblicke auf ein tiefblaues Meer. Wenn einem nach etwas Klettern zumute ist, kann man winzige Buchten entdecken, von denen aus man über Felsstufen in glasklarem Wasser schwimmen kann.
Um noch etwas Zeit am Strand zu verbringen, fahren wir einige Kilometer nach Süden und finden an der Rena Majore kilometerlange Dünenstrände, die noch wenig besucht sind. Etwas oberhalb des Strandes bietet die Strandbar eisgekühltes Radler und einen endlosen Blick auf ein türkisblaues Meer.



Das große Blau
Ob Sardiniens Strände und Meer mit der Südsee, den Malediven oder Seychellen konkurrieren können, sei jedem selbst überlassen. Wir haben an den unterschiedlichen Küsten und Stränden Schattierungen von Blau und Türkis gefunden, die träumen lassen. Über weißen Felsen oder Sand, je nach Tiefe und Sonneneinstrahlung findet man mehr verschiedene Blautöne als wir je zuvor gesehen haben und sich in diesem Blau von Wellen wiegen zu lassen, gehört zu den schönsten Erlebnissen dieser Reise …. einfach magisch.

Tage 4 bis 6 Arbatax
Heute geht es durch die Berge nach Süden. Über zahllose Serpentinen fahren wir zusammen mit hunderten von Motorädern fast 60 km und über 1000 m Passhöhe auf schmalen, kurvigen Straßen nach Baunei und danach Arbatax.
Das Bergstädtchen Baunei liegt malerisch auf einer Anhöhe und bietet einen wunderbaren Blick auf die Ebene um Tortoli und Arbatax. Im Osten dieser Strecke liegen die schönsten Buchten von Sardinien, die man entweder erwandern oder mit Booten von Arbatax oder Orosei aus erreichen kann. So war der Plan ….
Doch in Arbatax angekommen macht uns starker Wind einen Strich durch die Rechnung- kein Boot fährt bei hohen Windstärken durch vorgelagerten Felsen. Also gönnen wir uns zwei Strandtage und beschließen die Tage am Hotelpool und in der örtlichen Gastronomie.
Arbatax ist als Städtchen keine Offenbarung, aber die roten Felsen um die Landspitze sind etwas Besonderes, wenn auch nicht touristisch präsentiert ….
Der nahegelegene Strand Spiaggio Gimiliano ist fast menschenleer, noch schöner ist der etwa 8 km südlich gelegene Strand Spiaggia Orri, der viele Annehmlichkeiten wie Liegen, Strandbars, Bootsverleihe bietet, deshalb aber auch belebter ist.



Tag 7 und 8 Costa Rei
Der nächste Reiseabschnitt führt uns nach Süden nach Villasimius. Aber verwöhnt von den ruhigen Stränden um Arbatax, ist uns der Trubel dort zu groß und wir fahren etwa 10 km zurück in den Norden an die Costa Rei. Wir finden ein schönes, nicht allzu trubeliges Strandresort fast direkt am Strand und beschließen, aufgrund weiter gestiegener Temperaturen einige Tage im Schatten eines Sonnenschirmes am und im großen Blau zu verbringen.
Für ruhige Strandtage ist die Costa Rei mit ihren langgezogenen Buchten und weißem Sand der ideale Standort. Im Umkreis von 10 km findet sich nur Landwirtschaft und der ein oder andere Campingplatz mit Pizzeria – abendliche Unterhaltung bleibt also auf die Hotelbar beschränkt oder man nimmt die Fahrt nach Villasimius auf sich, welches viele Möglichkeiten bietet.


Tag 9 Südküste und Cagliari
An Villasimius und Cagliari vorbei, fahren wir zum südlichsten Zipfel Sardiniens. Recherchen versprechen einige der schönsten Küstenabschnitte und Strände um den kleinen Ort Chia herum.
Schnell wird klar, dass selbst in der Vorsaison schon viele Reisende diese Tipps beherzigen, entsprechen voll sind die Strände schon, inklusive Aufbauten für Strandhochzeiten in romantischer Atmosphäre ….
Wir machen Halt an der Spiaggia Tuarreda und lassen uns für eine Badepause an der Spiaggia Guiona nieder – auf der rückwärtig liegenden Lagune sehen wir endlich die ersten Flamingos.
Da der Tag noch jung ist und unser nächstes Ziel einige Stunden entfernt liegt, verbringen wir den Nachmittag und Abend in Cagliari – für diese Reise unser einziger Aufenthalt in einer größeren Stadt. Cagliari ist die größte Stadt Sardiniens, Hauptstadt der autonomen italienischen Region Sardinien und hat circa 150 000Einwohner.Man sagt, wie Rom sei Cagliari auf sieben Hügeln erbaut, die Altstadt von Cagliari - Castello genannt - befindet sich auf einer Hügelspitze, von der aus der gesamte Golf von Cagliari überblickt werden kann.
Leider ist der gesamte Bereich um den Hafen, aus dem Fähren zum Festland und nach Korsika ablegen, eine einzige Baustelle. Die Innenstadt jedoch bietet mit Einkaufsstraßen und kleinen Plätzen viel zu erkunden und die Restauranttipps der Rezeptionistion im Hotel erweisen sich als Volltreffer.



Tag 10 und 11 Westküste
Halbinsel Sinis
Unser nächstes Ziel ist die Halbinsel Sinis, westlich der Kreisstadt Oristano. Die 19 km lange und bis zu 5,8 km breite Halbinsel erstreckt sich zwischen dem Capo Mannu im Norden und dem Capo San Marco. Unterhalb des Binnensees Stagno di Cabras mit geschützten Flamingokolonien kann man mehrere kulturelle Zeugnisse zu besichtigen, wie San Giovanni di Sinis, eine der ältesten Kirchen Italiens (in byzantinischem Stil), die Ruinen der punischen Stadt Tharros, die Sarazenentürme Torre San Giovanni und Torre Vecchia. Die Halbinsel und die vorgelagerte Insel Mal die Ventre sind Meeresschutzgebiete, was den Tourismus und Verkehr in Grenzen hält. An der Lagune liegt Cabras, das sardische Zentrum der Bottarga-Produktion.
Bei den Temperaturen von weit über 30 Grad gehen wir auf die Suche nach einem schönen Strand, auf dem sich die Hitze unter dem Sonnenschirm verdösen lässt. Uns gefallen die Strände in Putzu Idu (heute sonntäglich überlaufen), Su Bardoni und ganz besonders der Quarzstrand Is Arrutas, der das Meer wieder in hundert Schattierungen von Blau und Türkis schimmern lässt.
Da Sinis wenig besiedelt und nur wenig touristisch erschlossen ist, fällt es uns nicht leicht eine Unterkunft zu finden. Oristano jedoch bietet einige Möglichkeiten, wenn auch abseits von jeglichem Massentourimus, was uns sehr gelegen kommt. Im Ort lässt sich nett bummeln und auf kleinen Plätzen frühstücken oder am Abend schlemmen.
Oristano



Tage 12 bis 14 Costa Smeralda
Da wir mehr unterwegs waren als wir eigentlich geplant hatten, wollen wir die letzten 3 Tage vor unserer Rückreise in der Nähe von Olbia verbringen. Wir finden unterhalb von San Pantaleo, nicht weit von Olbia eine geeignete Unterkunft.
Die Fahrt von der Westküste bis Olbia verläuft komfortabel über eine gute Schnellstraße durch ein flaches, landwirtschaftlich gut erschlossenes Hinterland.
Das Hotel liegt oberhalb der Costa Esmeralda und bietet einen spektakulären Blick auf den Golfo de Congenianus und Golfo Aranci. In einer großen Parkanlage kann man nett am Pool die heißen Stunden verbringen, Halbpension erspart uns die Suche nach Restaurants und viele schöne Strände sind in unmittelbarer Nähe schnell erreichbar.
Uns gefallen die Strände Spaggio Capriccioli – sehr gut besucht, nervig sind Dutzende von Verkäufern-, die Cala Sabina – erreichbar über einen ca. 300m langen Fußweg und direkt an einer Bahnlinie gelegen, was ab und zu Lärm, aber auch schubweise viele Badegäste bedeutet. Vom Hotel fährt ein Shuttle-Bus zur Cala Blanca, die wir allerdings nicht besucht haben.
Man muss zugeben – der Norden Sardiniens ist wunderschön mit seinen Buchten und Caps, kleinen pittoresken Städtchen (z.B. San Pantaleo oder Golfo Aranci) und bietet den Wassersportlern sicherlich viele Möglichkeiten.
Was uns jedoch stört, ist die Tatsache, dass jede Bucht fast überfüllt ist mit Yachten und Booten, die sich in ihrem Luxus fast überbieten. Statt auf einen blau-türkisen Horizont schaut man auf Megayachten mit Tauchflößen, mehrstöckigen Rutschbahnen und Jetskis, manchmal sogar Hubschrauberlandedecks. In jeder Bucht ist ein Großteil der Sandfläche mit Liegen und Sonnenschirmen belegt, die man teuer mieten kann.
Nach den vergleichsweise einsamen Stränden auf Sinis oder an der Costa Rei, ist die Costa Esmeralda nichts für Ruhesuchende oder Naturliebhaber….
Doch zurückgelegen findet man schöne Resorts, die vielleicht nicht direkt am Strand liegen, dafür aber Ruhe und einen schönen Blick auf die Smaragdküste aus einiger Entfernung bieten.



Fazit
Sardinien ist eine fantastische Insel und bietet dem Besucher unendlich viele Möglichkeiten
- quirlige Städte zum Bummeln
- wunderschöne, zum Teil versteckte Strände
- spektakuläre Wanderrouten
- die Möglichkeit für Bootsausflüge
- interessante Kulturdenkmäler vergangener Epochen
- freundliche Menschen
- eine leckere lokale Küche
- besonders abseits der Tourismushochburgen zivile Preise
Wir würden wieder kommen, aber den Norden aussparen. Für einen schönen Badeurlaub würden wir den Süden wählen und die Costa Rei anfahren.
Den Plan, mit dem Camper wiederzukommen, haben wir erst einmal verworfen – es sind viele Camper unterwegs, die Straßen sind eng und bei großer Hitze scheint es schwer zu sein, schattige Campingplätze ohne langes Vorbuchen zu bekommen, was die Spontaneität etwas einschränkt.



Sardinien kulinarisch
In Italien geht Pizza eigentlich immer, davor ein Insalada Caprese mit frischem Burrata und wir sind glücklich. In Sardinien sollte man aber unbedingt Culurgiones genießen, die sardische Variante der Ravioli, serviert entweder mit Tomatensauce oder bestreut mit Bottarga, getrocketem Fischrogen, der in feine Scheiben geschnitten oder fein gerieben zu Nudelgerichten serviert wird. Als Nachspeise sollte man neben Tirami Su und Panna Cotta Seadas kosten, mit Schafskäse und Minze gefüllte Teigtaschen, die frittiert mit sardischem Honig gegessen werden.
Für Fleischesser gibt es besonders an den sardischen Buffets der Hotels immer auch gegrilltes Spanferkel und frischen, gegrillten Fisch.
Culurgiones mit Tomate, Bottarga und schwarze Culurgiones ebenfalls mit Bottarga

