Viele Wege führen nach Athen
4 Tage zwischen griechischen Säulen
Um im Familienkreis Geburtstag zu feiern, führt uns unsere Reise in diesem Frühling für einige Tage nach Athen, wo wir Sonne, blaues Meer und viele antike Säulen erwarten.
An einem Donnerstag starten wir in Frankfurt und landen fast pünktlich etwas außerhalb von Athen. Vom Flugplatz gibt es mehrere Möglichkeiten, in die Innenstadt zu kommen – mit der Metro, dem Bus, mit dem Taxi oder Uber. Wir entscheiden uns für die Metro, die uns in knapp 40 Minuten mitten in die Stadt bringt, wo wir ein Hotel unweit des Syntagma-Platzes im Viertel Kolonaki reserviert haben.
Am Syntagma-Platz, dem Platz der Verfassung, erwartet uns quirliges Treiben mitten in der griechisch-orthodoxen Osterwoche.
An die Nordseite des Platzes grenzt das griechische Parlament, bewacht von farbenfroh gewandeten Gardesoldaten, daneben erstreckt sich der Nationalgarten, ein weitläufiger Park mit Wasserbecken, Spielplätzen und einem kleinen Tierpark.
Auf dem Weg vom Hotel zum Treffpunkt mit der Familie im Viertel Monastiraki bietet sich der erste Blick auf die Akropolis, die unübersehbar über dem Stadtzentrum thront. Die Wahl unseres Hotels erweist sich als vorteilhaft, da Kolonaki ein ruhiges, sehr gediegenes Viertel ist mit Läden, Restaurants und Hotels der eher oberen Preisklasse ist. Je näher man dagegen dem Zentrum am Fuß der Akropolis kommt, ums quirliger und voller werden die Straßen.
Zum ersten Abendessen treffen wir uns in einer eher einfachen Taverne - in der wir uns – wie auch in den kommenden Tagen – eine Vielzahl von griechischen Gerichten zum Teilen bestellen.
Der erste Tag in einer Stadt dient immer einem ausgedehnten Bummel durch die Straßen und – wenn möglich – dem Ersteigen eines Hügels oder eines Turmes, um die Stadt in ihrer Ausdehnung sehen zu können. Oberhalb von Kolonaki führt der Weg steil bergauf zum Likabettos Hügel - mit seiner Höhe von 277m die höchste Erhebung im Stadtzentrum. Bei guten Sichtverhältnissen lässt sich von hier aus der ganze Großraum Athen zwischen den Gebirgszügen im Westen und Norden und dem Saronischen Golf im Süden überblicken. Die Aussichtsplattform lässt sich entweder mit einer Standseilbahn erreichen oder zu Fuß über Rampen und Stufen. Schon auf dem Weg nach oben hat man einen tollen Blick auf die Akropolis, das antike Olympiastadion und den Hafen von Piräus.
Der Weg bergab führt uns wieder ins Zentrum und weiter nach Kerameikos, einem Stadtteil des antiken Athen nordwestlich der Akropolis, heute eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte. Im Kerameikos liegt der bedeutendste antike Friedhof in Athen. Leider wird zurzeit das Besucherzentrum saniert, so dass man die Ruinen und Grundmauern nur von außerhalb bewundern kann.
Nach diesem ersten Überblick über die Sehenswürdigkeiten von Athen treffen wir uns bei Krinos, dem älteste Café Athens, welches für seine Loukoumades bekannt ist, ein knusprig frittiertes Gebäck ähnlich wie Donuts, das mit Zuckersirup überzogen serviert wird – möglichst zu griechischem Kaffee. In dieses einfache und authentische Café fallen wir in den nächsten Tagen häufig ein, auch um die pikant gefüllten Teigtaschen zu probieren.
Bei bestem Frühlingswetter und schon fast sommerlichen Temperaturen steuern wir nach der Pause das Panathinaiko-Stadion an, das Olympiastadion der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit im Jahre 1896. Es wurde als Rekonstruktion auf den Fundamenten des antiken Stadions gebaut und befindet sich am Rande des Athener Stadtzentrums. Das als Hufeisen um die Laufbahn angelegte Stadion konnte mit seinen Marmortribünen Ende des 19. Jahrhunderts über 50 000 Menschen fassen. Heute finden aufgrund von Sicherheitsbestimmungen nur noch wenige Veranstaltungen im Stadion statt – so ist es heute das Ziel der Athener Marathonläufe und diente bei den olympischen Spielen 2004 als Austragungsort für Wettkämpfe im Bogenschießen.
Da der der Andrang zur Besichtigung des Stadions eher überschaubar ist, kann man Tickets direkt am Eingang erwerben. Der Eintritt beträgt 10€, für Personen jenseits der 65 nur 5€.
Zum Abendessen treffen wir uns in der Taverne Seychelles zu modernen griechischen Meze im hippen Viertel Metaxourgeio.
Für den frühen Nachmittag haben wir heute den obligatorischen Besuch der Akropolis online gebucht.
Nach dem Frühstück bummeln wir durch das Kaufhaus Attica – der griechischen Version des Berliner Edelkaufhauses Kadewe – und erstehen letzte kleine Geschenke für die bevorstehende Familienfeier. Nach einem Snack bei Krinos treffen wir uns am südlichen Eingang der Akropolis.
Die Besucherschlange am Einlass ist trotz vorab gebuchter Tickets endlos, bewegt sich jedoch erstaunlich schnell, so dass wir das Gelände schon fast pünktlich zur gebuchten Zeit betreten. Das Besucheraufkommen ist hoch an diesem Samstagnachmittag, was das Erlebnis, dieses Weltkulturerbe zu sehen, etwas trübt.
Die Akropolis in Athen - seit 1987 Teil des UNESCO-Welterbes - ist ein große,r der Stadtgöttin Athene geweihter, Burgberg im Herzen von Athen. Man steigt zum Parthenon steil bergauf, vorbei am Theater des Dionysos, der Stoa und der Korenhalle. Das Zentrum der Anlage ist zweifellos der Athenatempel, der Haupttempel der Anlage mit dem Bildnis der Pallas Athena. Besonders gefallen hat mir die Korenhalle auf der südlichen, dem Parthenon zugewandten Seite, wo Frauengestalten (Karyatiden) die Säulen ersetzen.
Ein Besuch der Akropolis sollte man unbedingt einplanen und die Tickets rechtzeitig online buchen, der Preis beträgt pro Person 30€, für Personen jenseits der 65 nur 15€.
Nach Verlassen der antiken Anlage folgen wir einem Reisetipp und spazieren durch das fast dörfliche Viertel Anafiotika, direkt unterhalb des Akropolis-Felsens, oberhalb des Viertels Plaka. Die Straßen haben keine Namen und handgepflasterte Fußwege schlängeln sich um die dicht gedrängten, meist kleinen Gebäude und man fühlt sich fast wie in einem Dorf auf einer griechischen Insel. Leider haben diese Idylle außer uns auch zahlreiche Touristen entdeckt, was den Charme etwas trübt und für die Einwohner sicher nicht unproblematisch ist.
Heute Abend essen wir in einem Restaurant, das uns am besten gefallen hat mit seinem guten Service und seiner ausgefallenen Speisekarte – Zigoala im Viertel Omonia. Es gilt als einer der neuen kulinarischen Treffpunkte in der Athener Innenstadt.
Die Nacht hält noch ein besonderes Erlebnis für uns bereit – in der Osternacht pilgern alle Einwohner Athens auf die Plätze vor den Kirchen und lauschen ab 22.30 Uhr den Psalmen, die in der Kathedrale gesungen und auf alle Plätze übertragen werden. Obwohl die religiösen Gesänge sehr gewöhnungsbedürftig sind, halten wir durch und kaufen lange Kerzen wie alle, die mit dem heiligen Feuer aus den Kirchen pünktlich um Mitternacht von Mensch zu Mensch mit einem Ostergruß entzündet werden. Das angekündigte Feuerwerk ist überschaubar und kurze Zeit später gehen wir inmitten der Einwohner mit den flackernden Kerzen zurück zum Hotel.
Heute feiern wir zunächst Geburtstag mit einem Brunch im Familienkreis, bevor wir uns mit einem Mietwagen auf die Fahrt nach Süden zum Kap Soúnion machen - ein sehr lohnender Ausflug von ca. 60 km mit einer Fahrzeit von 1,5 Stunden.
Bei sommerlichem Wetter führt die Route entlang des Saronischen Golfes zum Kap an der südlichsten Spitze Attikas, das bekannt ist für die Ruine des antiken Marmortempels des Meeresgottes Poseidon. Die Tempelanlage ist an Sonntagen leider geschlossen, dennoch ist der Spaziergang über das Kap mit Blick auf den Golf und den Tempel den Ausflug wert. Fast nur Einheimische frequentieren heute die Taverne am Fuß der Tempelanlage und Familien bereiten ihr Oster-BBQ mit Blick auf griechische Säulen vor.
Das Wetter ist so schön, dass wir den Nachmittag leicht bekleidet an einer fast menschenleeren Kiesbucht verbringen und sogar ins Mittelmeer eintauchen, dessen Temperatur jedoch noch zu wünschen übrig lässt.
Es ist nicht allzu teuer, ein Auto für einen Tag zu mieten und die Strecke entlang des Golfes ist einen Ausflug wert. Für uns war Kap Soúnion ein ganz besonderer und idyllischer Ort, der uns sehr begeistert hat.
Den Geburtstag feiern wir heute im Restaurant Ermou mit seinem kleinen, angeschlossenen Feinkostladen im Viertel Psirri mit Meze und griechischer Pasta.
An unserem letzten Tag nehmen wir die Metro, die uns in 20 Minuten nach Piräus, dem Hafen von Athen bringt. Entlang des Fährhafens, von dem Schiffe ui den saronischen Inseln ablegen, laufen wir entlang des Jachthafens bis zum alten ‚türkischen‘ Fischerhafen, lassen uns mit Blick aufs Meer und den Hafen nieder und genießen einen letzten Freddo in Griechenland.
Ein Ausflug nach Piräus ist unbedingt empfehlenswert und mit der Metro für kleines Geld auch nur für einen Nachmittag möglich. Nach dem Trubel in Athen ist Piräus an diesem Ostermontag eher ruhig und beschaulich und bietet südliche Urlaubsstimmung. Wer Stadtstränden nicht abgeneigt ist, findet hier auch Buchten, in denen man sich zu einem Sonnenbad niederlassen kann.
Heute Abend nehmen wir Abschied von Athen mit einem Essen in der Unterkunft der anderen Familienmitglieder, die noch einige Tage länger in Athen bleiben. Wir haben es sehr genossen, einige Tage hier zu verbringen. Für die kurze Zeit haben wir viel unternommen und gesehen und die Stimmung am orthodoxen Osterfest (eine Woche nach dem Osterfest bei uns) war außergewöhnlich.
Unsere Stimmung am Ende unseres Aufenthaltes ist etwas beeinträchtigt von der Tatsache, dass unsere Rückflüge aufgrund eines Streiks der Lufthansapiloten annulliert wurden und wir einen Teil des Tages mit der Organisation unserer Rückreise beschäftigt sind….
Nachtrag: Wir konnten umbuchen und kommen nur wenige Stunden später als geplant in Frankfurt und schließlich zuhause an. Aufgrund der Strecke und der Verspätung steht uns eine Entschädigung zu, die die Flüge und Mehrkosten mehr als deckt …. ein versöhnliches Ende der Reise.